Rückenschmerzen sind das Volksleiden Nummer eins. Komplementärtherapeutische Methoden haben sich als vielversprechender Therapieansatz etabliert – sie fördern die Genesung ganzheitlich und ursachenorientiert.
von Fabrice Müller
- 88 Prozent der Bevölkerung leiden in der Schweiz unter Rückenschmerzen oder Verspannungen
- Rückenschmerzen können viele Ursachen wie körperliche Überbeanspruchung, Stress oder auch unverarbeitete Emotionen haben
- Akupressur, Shiatsu und die Alexander-Technik beziehen körperliche, geistige und seelische Aspekte in die Behandlung mit ein
Rückenleiden in allen Altersgruppen verbreitet
Laut einer repräsentativen Umfrage der Rheumaliga Schweiz leiden 88 Prozent der Befragten unter Rückenschmerzen oder Verspannungen, die Hälfte von ihnen mehrmals pro Woche. Rückenleiden zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden in der modernen Gesellschaft. Alle Altersgruppen sind laut der Erhebung der Rheumaliga davon betroffen.
Überbeanspruchung, Stress, unverarbeitete Emotionen
Rückenschmerzen und Verspannungen können verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel schlechte Haltung, unterentwickelte Muskulatur, körperliche Überbeanspruchung, Anspannung des Nervensystems in Folge von Stress oder aufgrund unverarbeiteter Emotionen. Schmerzen und Verspannungen bewirken eine Unterversorgung von Körperzonen mit Blut und führen zu Blockierung und Stagnation im Fluss der Lebensenergie.
Die Ursachen behandeln
Oft liegt der Schlüssel zur Heilung in der Behandlung der Ursachen sowie in einer nachhaltigen Umstellung des Lebensstils. «Die komplementärtherapeutischen Methoden bieten Betroffenen vielfältige Perspektiven, indem sie Genesung ganzheitlich fördern», sagt Andrea Bürki, Präsidentin der Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie OdA KT (siehe auch Kurzinterview).
«Die komplementärtherapeutischen Methoden fördern die Genesung ganzheitlich.»
Alle insgesamt 22 anerkannten Methoden, von Akupressur über Kinesiologie bis Yoga-Therapie, arbeiten manuell und körperzentriert. Sie verbinden in der Behandlung in unterschiedlicher Ausprägung ganzheitliche Konzepte und Vorgehensweisen aus der westlichen und östlichen Heilkunde mit Erkenntnissen der Schulmedizin, der Ernährungs-, Sozial- oder Neurowissenschaften. Millefolia.ch stellt drei oft angewandte komplementärtherapeutische Methoden aus dem Bereich der manuellen Therapien vor.
((Box Die OdA KomplementärTherapie))
Shiatsu: Loslassen und entspannen
Die Shiatsu-Therapie unterstützt den Organismus darin, körperlich und geistig loszulassen und zu entspannen. Dadurch werden im ganzen Körper Spannungen aufgelöst, die die Rückenschmerzen auslösen, und die Selbstregulierungsfähigkeit des Organismus werden auf allen Ebenen unterstützt. 2019 wurde die Wirkung von Shiatsu bei Rückenschmerzen durch eine japanische Studie bestätigt.
Akupressur: Gleichgewicht herstellen
Die Akupressur-Therapeutin oder der Therapeut nutzt die eigenen Hände und Finger als Instrument, während in der Akupunktur mit Nadeln gearbeitet wird. Durch das Ausgleichen des Leitbahnsystems wird das Herstellen eines Gleichgewichts im Körper angestrebt und unterstützt. Zu den manuellen Ausrichtungen über die Energieleitbahnen (Meridiane) kommen auch Moxa, Schröpfen oder Ohr-Akupressur mit Behandlungsstäbchen zur Anwendung.
Alexander-Technik: Bewegungsmuster verändern
Die Alexander-Technik wurde als eine Lehrmethode zur Veränderung falscher Bewegungsmuster entwickelt. Mit der Methode ganzheitlicher Körperarbeit sollen die Betroffenen lernen, ungünstige Haltungs- und Bewegungsgewohnheiten zu durchbrechen und neue Bewegungsabläufe im Alltag anzuwenden.
«Unsere Mitglieder setzen körperzentrierte Berührungs-, Bewegungs-, Atem- und Energiearbeit ein.»
Einige Studien – unter anderem eine 2008 im British Medical Journal veröffentlichte Forschungsarbeit – beschreiben die überragende Wirkung, die Alexander-Technik-Stunden bei Menschen mit chronischen Rückenschmerzen auslösen.
Andrea Bürki im Kurzinterview
Andrea Bürki, Sie sind Präsidentin der Organisation der Arbeitswelt KomplementärTherapie OdA KT: Wodurch unterscheidet sich der Ansatz der Methoden der KT von schulmedizinischen Behandlungen?
Andrea Bürki: Komplementärtherapeutinnen und -therapeutenvertreten einen salutogenetischen Ansatz. Sie beteiligen die Klientinnen und Klienten aktiv am Genesungsprozess und richten ihr Vorgehen am einzigartigen Gesamtbild der Betroffenen aus. Körperliche, geistige sowie seelische Aspekte werden gleichermassen in die interaktiv gestaltete Behandlung einbezogen.
Was zeichnet den ganzheitlichen Ansatz einer KT-Methode beispielsweise bei Rückenschmerzen aus?
Andrea Bürki: Unsere Mitglieder setzen körperzentrierte Berührungs-, Bewegungs-, Atem- und Energiearbeit ein und legen je nach Methode bei der Behandlung von Rückenschmerzen den Fokus mehr auf die Haltung, den Energiefluss in den Meridianen oder die Faszien, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der ganzheitliche Ansatz aller Methoden berücksichtigt Stress auslösende Faktoren sowie individuelle Verhaltensmuster und Gewohnheiten, um Selbstwahrnehmungs- und Bewusstseinsprozesse anzuregen. Alle methodenspezifischen Vorgehensweisen regen zudem gezielt die Selbstregulierung und Genesungsprozesse des Organismus an.
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