Innere Ruhe finden in schwierigen Zeiten

Der Verlust der Arbeitsstelle ist für die meisten Betroffenen ein einschneidendes Erlebnis, das auch gesundheitliche Folgen haben kann: Das Selbstvertrauen gerät ins Wanken, Existenzängste rauben den Schlaf, innere Unruhe breitet sich aus. In einer solchen Situation kann komplementärtherapeutische Begleitung helfen, wieder zu sich zu finden und der Krise mit mehr Ruhe und Vertrauen zu begegnen.

  • In Krisensituationen sind die eigenen Ressourcen und Kraftquellen wichtig, die helfen, sich zu entspannen und aufzutanken
  • Die Shiatsu-Therapie arbeitet mit ruhigen und tiefgehenden Berührungen entlang der Energieleitbahnen und aktiviert den Parasympathikus
  • Die Behandlung bietet einen geschützten Raum, um zur Ruhe zu kommen und sich selbst wieder besser zu spüren

von Janine Messerli

Die Krise schlägt auf das Nervensystem

Gemeinsam ein Ziel festlegen

Auf der Suche nach Unterstützung wendet sich Claudia B. an die Shiatsu-Therapeutin Doris Roth Ott. Diese ist Komplementärtherapeutin mit Branchenzertifikat OdA KT und bietet neben der Arbeit in ihrer eigenen Praxis in Zürich auch Behandlungen für Mitarbeitende eines grossen Finanzinstituts an.
Im Erstgespräch lässt sich die Therapeutin die Beschwerden schildern, fragt nach der psychischen und physischen Verfassung und den Lebensumständen. Claudia B. wirkt sehr angespannt, «auf Zack», und sie atmet flach. Am liebsten möchte sie ihre Beschwerden «weghaben», einfach wieder entspannen und erholsam schlafen können. Sie ist aber auch bereit, aktiv etwas zur Verbesserung ihrer Situation beizutragen.

Die Therapeutin fragt nach Ressourcen, Kraftquellen, die der Klientin im Alltag helfen, sich zu entspannen und aufzutanken. Sie erfährt, dass Claudia B. Yoga praktiziert und damit besser zur Ruhe und zu sich kommen kann. Weil die Schlafprobleme das dringendste Anliegen der Klientin sind, einigen sie sich gemeinsam auf ein erstes Ziel der Shiatsu-Therapie: dass Claudia B. wieder mehr innere Ruhe und Stabilität erleben und besser schlafen kann.

Die Selbstwahrnehmung fördern

Durch gezielte Fragen wird Claudia B. eingeladen, sich zu spüren: Was hat sich im Körper oder in der Stimmung verändert? Woran merkt die Klientin eigentlich, dass sie entspannter ist? Das Fördern der Selbstwahrnehmung ist ein wichtiger Bestandteil der Komplementärtherapie.

Das Nervensystem beruhigen

In Stresssituationen ist der Sympathikus – der «Alarmmodus» des Nervensystems – dauerhaft aktiv. Die Körperspannung ist hoch, der Mensch hellwach und in Alarmbereitschaft. Was in Notsituationen eine gesunde Reaktion ist, die für Kampf oder Flucht benötigt wird, macht im Dauerzustand krank. Schlaf und Verdauung werden gestört, Funktionen, die im parasympathischen Zustand geschehen. Ziel der komplementärtherapeutischen Behandlung ist es, den Parasympathikus zu aktivieren, damit der Körper sich entspannen und regenerieren kann.
«Bei starker Anspannung arbeite ich oft zuerst mit klarem, kräftigem Druck an den Füssen, um die Erdung zu fördern», erklärt die Therapeutin Doris Roth Ott.

«Bei starker Anspannung arbeite ich oft zuerst mit klarem, kräftigem Druck an den Füssen, um die Erdung zu fördern.»

Komplementärtherapeutin Doris Roth Ott

«Auch das Halten des Nackens, wo der Vagusnerv verläuft, kann entspannend wirken.» Der Vagusnerv ist Teil des parasympathischen Nervensystems und hat einen beruhigenden Einfluss auf den Herzschlag und die Atmung. «Am Nacken bin ich einfach mit meinen Händen und meiner Aufmerksamkeit präsent und lade die Klientin ein, dorthin zu atmen», so die Therapeutin. Sanfte Berührung und achtsame Präsenz helfen dem Körper, wieder in einen Zustand der Entspannung zu finden.

Im Alltag selbst aktiv werden

Bereits nach wenigen Behandlungen berichtet Claudia B. von erholsamerem Schlaf. Gleichzeitig möchte sie selbst aktiv werden. Die Therapeutin zeigt ihr eine Atemübung für den Alltag und die beiden besprechen, wie die Schlafhygiene verbessert werden könnte. Claudia B. möchte ihre Bildschirmzeit am Abend reduzieren und ein beruhigendes Ritual mit Tee und Musik einführen. Da hormonelle Veränderungen bei Schlafproblemen ebenfalls eine Rolle spielen können, wird zusätzlich eine gynäkologische Abklärung empfohlen.
Therapeutin und Klientin vereinbaren eine Sequenz von vier bis fünf Behandlungen mit anschliessender Standortbestimmung: Was hat sich verbessert? Wo sind noch Beschwerden vorhanden? Die Komplementärtherapie bietet der Klientin einen geschützten Raum, um zur Ruhe zu kommen und sich selbst wieder besser zu spüren. Gleichzeitig entwickelt sie Strategien, um in dieser belastenden Zeit für ihr Gleichgewicht zu sorgen – und Schritt für Schritt neues Vertrauen zu gewinnen.

* Name und biografische Eckdaten der Klientin geändert.



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