Die Yoga-Therapie ist seit zehn Jahren als Methode der KomplementärTherapie mit eidgenössischem Abschluss anerkannt. Auch wenn ihr Ursprung in der indischen Yoga-Tradition liegt, unterscheidet sie sich doch in vieler Hinsicht vom klassischen Yoga. Im Zentrum der Behandlung steht der interaktive Therapieprozess.
- Yoga-Therapie verringert Stress und Ängste, löst Verspannungen und lindert Schmerzen
- In der Therapie lernen Klientinnen und Klienten auch, wie sie zuhause mit ausgewählten Übungen an sich arbeiten können
- Wie Shiatsu oder Kinesiologie wird die Yoga-Therapie von Komplementärtherapeut/-innen mit eidgenössischen Diplomen praktiziert
von Fabrice Müller
Yoga-Therapie: Lösungsorientiert und interaktiv
Bereits in der indischen Antike, rund 800 Jahre vor Christus, wurde Yoga praktiziert. Im Vergleich dazu ist die Yoga-Therapie eine relativ junge Methode. Sie hat sich erst ab den 1920er-Jahren entwickelt und ist – im Gegensatz zum Yoga – losgelöst von Religion und Askese. «Im Yoga vermittelt die Yoga-Lehrerin einen gewissen Yoga-Stil und eine Philosophie. Sie legt dabei das Kursziel und die Yoga-Übungen für eine meist heterogene Gruppe fest», erläutert Dr. Gisela Stauber, Co-Präsidentin des Fachverbands Yoga Komplementär Therapie Schweiz (KT Yoga).
«Wir passen die Yoga-Übungen den Bedürfnissen der Klientinnen und Klienten an.» Dr. Gisela Stauber
In der Yoga-Therapie hingegen arbeiten die Therapierenden in Einzelbehandlungen oder Kleingruppen von maximal sechs Personen. «Wir passen die Yoga-Übungen den Bedürfnissen der Klientinnen und Klienten an. Im Mittelpunkt steht der ressourcen- und lösungsorientierte sowie interaktive Therapieprozess.»
Genesungskompetenz und Lebensqualität fördern
«Alle Menschen können von der Yoga-Therapie profitieren», betont Susanne Kieser, die zusammen mit Gisela Stauber den Verband KT Yoga als Co-Präsidentin leitet. «Denn wir arbeiten mit ihren individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen. Daraus entwickeln wir das individuelle Therapieprogramm.» Ziel der Yoga-Therapie sei es, bei chronischen Erkrankungen oder anderen Belastungssituationen die Genesungskompetenz und Lebensqualität zu fördern. Das heisst: Die Klientinnen und Klienten lernen, wie sie zuhause mit ausgewählten Yoga-Therapie-Übungen an sich arbeiten können. «Dadurch wird die Klientin oder der Klient selbstermächtigt, sich am Genesungsprozess zu beteiligen. Dieses gemeinschaftliche Wirken ist ein zentrales Element der Methode», informiert Susanne Kieser.
Bei welchen Beschwerden hilft die Yoga-Therapie?
Die Yoga-Therapie fördert die innere Ruhe und Gelassenheit. Stress und Ängste werden verringert, aber auch Verspannungen gelöst, Rückenschmerzen und andere Schmerzen gelindert sowie der Blutdruck positiv beeinflusst. Gut untersucht ist die Yoga-Therapie zum Beispiel bei Brustkrebspatientinnen: Die vielversprechenden Ergebnisse haben dazu geführt, dass die Yoga-Therapie zur Linderung von Fatigue in Deutschland in der S3-Leitlinie «Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen PatientInnen» empfohlen wird.
«Die Yoga-Therapie kann für Menschen mit Krebs eine vielversprechende, unterstützende Therapie sein, um besser mit der Krankheit und den Nebenwirkungen umzugehen», sagt Dr. Gisela Stauber, Co-Präsidentin des Fachverbands Yoga Komplementär Therapie Schweiz (KT Yoga).
Studien belegen die Wirksamkeit
Wissenschaftliche Studien zeigen, wie dank der Yoga-Therapie Depressions- und Angstsymptome gelindert werden können – und dass bei Schmerz- oder Fibromyalgie-Patienten die Schlafqualität und das psychische Wohlbefinden verbessert werden. Klinische Studien zu Meditation und Achtsamkeit bestätigen die positive Wirkung nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf das zentrale Nerven- und Immunsystem. «Bei vielen chronischen Krankheiten kann die Yoga-Therapie als Ergänzungstherapie zu mehr körperlichem und mentalem Wohlbefinden und mehr Lebensqualität beitragen», so Gisela Stauber.
Auf den vorhandenen Ressourcen aufbauen
Am Anfang des Therapieprozesses stehen das Gespräch und die Befunderhebung. Darin werden der Ist-Zustand, der Energie- und Stresslevel, die aktuellen Bedürfnisse, Anliegen und Veränderungswünsche aufgenommen. «Der Aufbau der Beziehungsebene zwischen Therapeutin und Klientin ist von grosser Bedeutung für den Wirkmechanismus der Therapie», unterstreicht Susanne Kieser. Wie in der Komplementärtherapie üblich, wird auch in der Yoga-Therapie die salutogenetische Sichtweise praktiziert, indem die Therapeutin den Fokus bewusst auf die vorhandenen Ressourcen legt, ohne jedoch die Beschwerden zu bagatellisieren, wie Susanne Kieser erläutert.
«Die integrative Yoga-Therapie fokussiert auf Selbstständigkeit.» Dr. Gisela Stauber
Nach der Beobachtung von Beweglichkeit, Atemmuster usw. entwickelt die Therapeutin gemeinsam mit der Klientin ein individuelles Yoga-Therapie-Programm. Bei jeder weiteren Folgesitzung werden die Fortschritte reflektiert und das Programm auf Basis der positiven Erfahrungen weiterentwickelt. Bereits ein zehnminütiges Übungsprogramm alle zwei Tage reiche für eine positive Wirkung der Therapie, die in der Regel sechs bis acht Behandlungen umfasst. «Die integrative Yoga-Therapie fokussiert auf Selbstständigkeit, nicht auf Abhängigkeit, und sie stärkt die Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge», ergänzt die Co-Präsidentin von KT Yoga.
((Box mit Bild)) Yoga-Therapie gehört zu den Komplementärtherapien
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